Versöhnung und Groll

Place: 
München
Year: 
2011

The novel Ofsi, translated to German by Kristof Magnusson.

From Versöhnung und Groll:

Eyjólfur

Im ersten Jahr, in dem ich sozusagen Winterschlaf hielt, was später noch oft genug passieren sollte, dachte ich viel darüber nach, in welche Lage das Schicksal mich gebracht hatte. Ich gestand mir ein, dass ich niemals als wichtiger Anführer in den Kämpfen gelten würde, die hierzulande tobten, so oft ich auch davon träumte. Und dass die Familie der Sturlungen mich nie für voll nehmen würde, obwohl ich inzwischen einer von ihnen war. ich war eben nicht in die Familie hineingeboren, noch nicht einmal enfernt mit ihnen werwandt, ich war da hineingeraten, weil ich nun mal meine Frau geheiratet hatte. Vielleicht war das von Anfang an lächerlich und absurd gewesen. Ich wuchs im Vatnsdalur auf, wo die meisten Leute sich gegen die Sturlungen verbündet hatten. Mein Vater hatte sogar Seite an Seite mit Gissur Þorvaldsson in der großen Schlact von Örlygsstaðir gegen sie gekämpft - wer hätte da gedacht, dass ausgerechnet ich später die Tochter des Sturlungen-Oberhautps Sturla Sighvatsson heiraten würde, der in dieser Schlact zusammen mit seinem Vater und einigen seiner Brüder ums Leben kam?

Und den Bruder dieses gefallenen Oberhautps, Þórður Kakali, sah ich bezeichnenderweise zum ersten Mal, als er mit einer Gruppe kampferprobter Männer auf einem Rachelfeldzug in mein Heimattal ritt, um den Bruder meines Vaters zu erschlagen, ein Jahr vor der Seeschlacht in der Húnaflói-Bucht. Zu dieser Zeit hatten die Leute vor diesem blutrünstigen Sturlungen-Pack nicht weniger Angst als vor lebenslänglicher Verbannung. Die Sturlungen waren gefürchtet wie die Hölle und der Teufel.

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