Ein herz so kalt

Publisher: 
Place: 
München
Year: 
2011


Publisher: Droemer Knaur.



The Novel Dauði trúðsins in German translation by Tina Flecken.



 About the book:



Der Reporter Einar arbeitet in der kleinen Stadt Akureyri im Norden Islands. Es ist Hochsommer und absolute Sauregurkenzeit – bis Einar plötzlich einen mysteriösen Anruf von einer unbekannten Frau bekommt. Sie behauptet, in einem leerstehenden Haus würde es spuken. Doch statt Gespenstern entdecken Einar und Kommissar Ólafur Gísli dort sich nackte Leiche eines Mädchens. Ihre durchschnittenen Pulsadern deuten auf Selbstmord, doch bei der Obduktion stellt sich heraus, dass die junge Frau erwürgt wurde ...



From the book:



»Und hast du der Polizei von dem Flaschensammler erzählt?«, fragt Gunnsa und schwenkt ihr Pizzastück.

»Nein, ich habe nur gesagt, ich hätte Flaschen und Dosen aus meinem Auto in die Mülltonne geworfen und dabei zufällig die Eisenstange entdeckt. Ich konnte die Polizei unmöglich auf den armen Kerl ansetzen. Der hätte einen Herzinfarkt bekommen. Und auch nichts weiter erzählen können. Er wirkt ein bisschen zurückgeblieben oder so.«



Die Kernfamilie sitzt – ohne Snælda – mit dem Gericht des Tages, das der Hausherr aus der Mikrowelle gezaubert hat, im Esszimmer.



»Vielleicht ist er auch Ausländer«, füge ich hinzu. »Jedenfalls ist er ein bisschen merkwürdig.«



Natürlich habe ich starke Zweifel daran, ob es richtig war, die Aussage des Kerls über die zwei Männer für mich zu behalten. Zumal ich spürte, dass Ólafur Gísli misstrauisch war.



»Klar«, sagt Gunnsa kopfschüttelnd, »merwürdig wie ein Ausländer eben.«



»Und jetzt?«, fragt Raggi.



»Die Stange wird untersucht«, sage ich und versuche, die gummiartige Pizza zu bändigen, die sich wie ein Wischlappen verhält und eigentlich auch so aussieht. »Sie werden sie bestimmt mit dem Mann, der in der Nähe bewusstlos aufgefunden wurde, in Verbindung bringen.«



Gunnsa steht auf und stellt ihren Teller ins Spülbecken.



»Mann, voll öde, diese Gewalt.«



»Öde? Entschuldige mal, Fräulein, aber hat irgendjemand behauptet, dass Gewalt unterhaltsam ist? Das ist kein Hollzwood-Film.«



»Papa …«



»Ihr könnt froh sein, dass ihr das Wochende heil überstanden habt. Euer Zwischenfall vor dem Greifinn hätte leicht zu einer der zehn Gewalttaten werden können, die der Polizei bekannt sind.«



Gunnsa will das Thelma offenbar nicht weiter vertiefen.



»Okay, Raggi lass uns los.«



Raggi wischt sich den Mund ab. »Danke fürs Essen«, sagt er.



»Bitte. Wohin wollt ihr enn?«



»In die Zehn-Uhr-Vorstellung. Rubberface.«



»Willst du mitkommen?«, fragt Gunnsa.



»Rubberface? Was ist das?«



»Ein Thriller. Über einen Massenmörder, der nicht geschnappt wird, weil er immer wieder neue Masken aufsetzt.«



»Nee, eher nicht«, sage ich, »die Gewalt in dem Film ist bestimmt voll öde.«



Nachdem ich den Nachwuchs ins Borgar-Kino gebracht, gespült, aufgeräumt und meiner sogenannten Frau etwas zu trinken gegeben habe, lege ich mich aufs Sofa und sehe mir mit ihr zusammen einen amerikanischen Fernsehkrimi über einen Massenmörder an, der nicht geschnappt wird, weil er immer wieder neue Masken aufsetz.



Ich gähne andauernd, während ich darauf warte, dass das Kino zu Ende ist und der Heimfahrservice angerufen wird. Kurz nach Mitternach klingelt das Telefon.



»Alles klar«, sage ich, »ich fahre jetzt los.«



Stille.



»Hallo?« Ich sehe keine Nummer im Display.



»Ja, du solltest jetzt losfahren«, antwortet eine heisere, nuschelnde Frauenstimme.



»Wer ist da?«



»Erinnerst du dich nicht an mich?«



»Ich glaube nicht. Wer ist da?«



»Fahr noch mal zu dem Haus.«



»Zu dem Haus?« Endlich geht mir ein Licht auf: Es ist die Frau, die mich wegen dieses Spukunsinss angerufen und behauptet hat, ein Medium zu sein.



»Ja, das Haus in Akureyri. Fahr sofort los und nimm die Bullen mit«, sagt sie. Ihre Stimmte zittert, und sie kämpft mit den Tränen.



»Warum?«



Sie holt tief Luft und Iallt: »Pandora hat ihre Büchse geöffnet.« Dann legt sie auf.



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